Schmerzen werden als Zusammenspiel von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren verstanden. Das heißt, die Schmerzwahrnehmung wird von körperlichen Prozessen, von Gedanken, Emotionen und sozialen Belastungen beeinflusst. Mit diesem Modell wird Schmerz ganzheitlich bewertet, es werden den Schmerz unterhaltende Faktoren berücksichtigt und die Therapie individuell angepasst.
Nozizeptiver Schmerz entsteht im Gewebe, wenn Schmerzrezeptoren auf schädliche Reize wie Verletzungen, Entzündungen oder Überlastung reagieren. Diese Signale werden über Nerven an das Gehirn weitergeleitet, wo sie in mehreren Hirnregionen verarbeitet werden und als Schmerz bewertet werden. Nozizeptiver Schmerz hat eine Warnfunktion, um vor Schädigung zu schützen oder eine Signalfunktion, wenn eine Schädigung bereits eingetreten ist.
Neuropathischer Schmerz entsteht durch eine Fehlfunktion oder Schädigung der Nerven selbst und wird direkt vom Nervensystem verursacht. Er wird oft als brennend, stechend oder wie ein elektrischer Schlag beschrieben. Neuropathie tritt z.B. bei Erkrankungen auf, bei denen die Nervenleitung geschädigt wird, wie nach Schlaganfall, Diabetes oder bei Bandscheibenschäden.
Neuroplastischer Schmerz führt dazu, dass sich die Verarbeitung von Schmerzen im Nervensystem verändert. Durch anhaltende Schmerzen können Nervenleitbahnen überempfindlich werden, eigene Schmerzhemmsysteme können erschöpfen und Schmerz verarbeitenden Hirnstrukturen zeigen eine erhöhte Aktivität. Der Schmerz hält so z.B. nach Heilung der ursprünglichen Verletzung an. Schmerzsignale werden ohne äußeren Reiz weitergeleitet und können andere Körperareale und -funktionen beeinträchtigen.